Praxis für Psychotherapie und Psychoanalyse

 

Mein persönliches Verständnis von Psychoanalyse und psychoanalytischer Therapie

Bereits in meiner Jugend begann mein Interesse am Menschen und den Gesetzmäßigkeiten der seelisch-psychischen Struktur und ich begab mich auf die Suche in sozialwissenschaftlichen, philosophischen und psychologischen Texten.  Ich entwickelte eine theoretische Begeisterung an psychoanalytischen Schriften, die bis heute anhält. Lange Zeit war meine Motivation Psychologie zu studieren gespeist von dem Wissensdrang, die menschliche Psyche besser und genauer zu verstehen. Dazu gehörte während des Studiums an der Freien Universität Berlin auch ein gründliches Studium der Schriften, die sich mit den gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen beschäftigen, die den Menschen prägen bis tief hinein in seine psychische Struktur.

Der Mensch ist für mich nicht getrennt von der Gesellschaft zu verstehen in der er lebt. Dazu gehören die Geschichte und die Kultur, sowie die ökonomische und technologische Entwicklung. Jede Gesellschaft ist nur aus ihrer Geschichte heraus zu verstehen, und dasselbe gilt auch für jeden Einzelnen. Hier kommt für mich die Psychoanalyse als Wissenschaft ins Spiel. Der Mensch wird begriffen als Teil der Natur, als Teil der Kultur und als Teil seiner persönlichen und mehrgenerationalen Geschichte. Wie jeder einzelne Mensch zu der Persönlichkeit wird, die er schließlich als Erwachsener darstellt, das ist ein  komplexer langjähriger Prozess der Interaktion zwischen  Außen  und Innen,  der sich größtenteils in seinem Unbewussten niederschlägt. Dieses Unbewusste wirkt sich wiederum auf die Kultur aus. In der psychoanalytischen Wissenschaft wird meines Erachtens dieses Wechselspiel ziemlich genau und differenziert erforscht. Da gibt es auf der einen Seite die faszinierende Säuglingsforschung (z.B.Daniel Stern), die zur spannenden psychoanalytischen Säuglings-Kleinkind-Eltern-Psychotherapie (Manfred Cierpka) geführt hat, auf der anderen Seite die Psychoanalytische Kulturwissenschaft, die z.B. an der Humboldt-Universität zu Berlin gelehrt wird, bei der das Unbewusste in der Kultur untersucht wird.

 

Während meines Hauptstudiums begann meine praktische Ausbildung in der Psychiatrie und dadurch kam zu meinem theoretischen Interesse nun auch das praktische Interesse als Klinische Psychologin hinzu. Ich konnte  breite Erfahrungen sammeln in meiner Arbeit in einer psychiatrischen Gemeinschaftspraxis, da dort viele Patienten Hilfe suchten, die an den unterschiedlichsten Krankheiten und Störungen litten –  z.B. an Schizophrenie, manisch-depressiven Psychosen, Depressionen, Angst- und Panikstörungen, Phobien, dissozialem Verhalten, Sucht, sexuellen Störungen und Traumata wie sexueller Missbrauch und Misshandlungen, Kleptomanie u.a. In dieser wunderbaren kollegialen Zusammenarbeit mit 2 Psychiaterinnen, 2 Diplom-Psychologen, einem Sozialpädagogen und 2 netten Sprechstundenhilfen habe ich meine Liebe zur praktischen Ausübung von Psychologie/ Psychotherapie entdeckt. Ich habe sowohl Einzelgespräche als auch Gruppentherapien durchgeführt und übende Entspannungsverfahren wie das Autogene Training. Außerdem habe ich verschiedene psychologische Testverfahren angewendet bei Patienten, die Gutachten benötigten.

Mit meiner 5-jährigen berufsbegleitenden Ausbildung in Psychoanalyse und psychoanalytischer Therapie konnte ich meine Kenntnisse vertiefen und in den streng supervidierten Behandlungen psychoanalytische Behandlungstechnik erlernen. Hier habe ich verstanden, warum Psychoanalyse Menschen bei ihren schweren seelischen Problemen helfen kann, aber auch welches ihre Grenzen sind.

In meiner beruflichen Praxis habe ich dann nach und nach meinen eigenen Behandlungsstil entwickelt, wobei immer wichtig ist, ein fundiertes theoretisches Hintergrundwissen mit dem Erfahrungswissen zu verbinden und jeden Patienten jeweils neu zu verstehen und zu wissen, was an Behandlung er/ sie jetzt gerade braucht. Es ist immer wieder beglückend mitzuerleben, wie die Patienten beginnen, sich selbst immer besser zu verstehen, wie sie selbstständig forschen und bereit sind, sich zu erinnern und Verbindungen und Zusammenhänge herzustellen. Dieser Prozess geht einher mit Wandlungen im Patienten, Symptomen die verschwinden, Änderungen, die im äußeren Leben auf einmal möglich werden und einer ganz stabilen Gesundung in vielen Bereichen.

Sogar in meiner Arbeit mit Straftätern und Strafgefangenen konnte ich feststellen, dass die Hintergründe der Straftaten mit Hilfe psychoanalytischen Denkens verstanden werden konnten und Wandlungen in der Persönlichkeit möglich wurden, die ein zufriedeneres Leben ermöglichten.

Psychoanalytische Arbeit mit einem Patienten ist für mich wie gemeinsam ein großes Puzzle zu legen. Am Anfang sehen wir nur ganz viele anscheinend völlig zusammenhangslose Teile. Nach und nach durch die Bilder, Erzählungen, Erinnerungen und Träume, die der Patient einbringt, entstehen Verbindungen und es entsteht ein tieferes Verständnis. Diese belebten Einsichten sind von Emotionen getragen und nicht nur rationale Erkenntnisse. Der Prozess bis dahin ist oftmals sehr schwer, schmerzhaft und voller Widerstände. Am Ende der Therapie jedoch ergibt das Puzzle ein Gesamtbild, bei dem die  Einzelteile zwar noch sichtbar sind, aber im Zusammenhang eine neue, vor allem emotional anders gefärbte Bedeutung gewonnen haben.

Dennoch sollte man das psychoanalytische Verfahren nicht idealisieren. Es gibt Grenzen und längst  nicht alles ist heilbar. Eine gelingende Psychoanalyse hängt von vielen Faktoren ab. Es kommt auch auf eine realistische Zielsetzung an.